Freitag, 9. Oktober 2015

Zeit, wo bist du nur?

Die Zeit verfliegt hier so schnell, dass es einem selber ganz schwindelig wird. Eben war noch Sonntagabend und ich habe auf eine Schulwoche vor mir geblickt und nun ist schon wieder Freitag und frage mich, was passiert ist.
 
Ich habe erst hier begriffen, dass man Zeit nicht festhalten kann.
Zeit ist vergänglich - das war mir zuvor noch nie so bewusst. Du kannst nichts dagegen machen, sie verschwindet einfach. Und ich weis nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Mir wird bewusst, dass ich jeden Tag nur einmal hier lebe - das Alles kommt nie wieder. Ich habe nur diese eine "Chance" - und bin ratlos, wie ich sie nutzen soll.
 
Ich lasse es einfach auf mich zu kommen. Ein bisschen, wie Fallschirm springen.
Einfach Augen-zu-und-durch, springen ins Ungewisse. Einfach die Arme ausstrecken und es genießen. Einfach nur den Moment leben - tief einatmen und das Glück spüren.


Manchmal sollte man sich von einem schlechten Start nicht irritieren lassen - einfach weiter machen - weiter fliegen. Besseres Wetter wird kommen :)

Ich habe gestern meinen schwedisch Kurs getauscht und bin nun im richtigen Kurs. Endlich kann ich wieder neues Wissen in mich aufsaugen (oder es eben probieren). Steigerung von Adjektiven - bra, bättre, bäst.
Auch läuft es in meiner Klasse besser, ich verstehe nun, über was sie reden. Wir lachen zusammen und ich habe das Gefühl angekommen zu sein. Ein schönes Gefühl kann ich euch sagen.

An alle die gerade noch überlegen, ob sie ein Austauschjahr machen - macht es. Ihr werdet Erfahrungen sammeln ohne Ende und euch selbst ganz neu kennen lernen.
 

Eure Alexa ❤

Das wunderschöne Bild stammt von Vincentiu Solomon

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Kastanien


Baum der Erinnerung
Ich laufe von der Schwimmhalle heim, laufe durch den Park und plötzlich sehe ich ihn - einen Kastanienbaum. Innerhalb von Sekunden werde ich zum Kind. Lauf auf den Baum zu und bemerke schon beim Laufen das dort etliche Kastanien zu finden sind. Ich hocke im Gras und sammle Kastanien und bin dabei genauso glücklich, wie damals als Kind.

Leider muss ich weiter - es wird langsam kalt, so ohne Bewegung. Zudem habe ich keinen Platz für all die Kastanien - ich komme vom Schwimmen, meine Tasche ist voll mit Handtuch und nassen Badesachen.

Also gehe ich weiter, langsam - schaue nochmal über meine Schulter und lächle den Baum an.
Auf dem restlichen Weg schwelge ich in Erinnerungen...

Meine Schwester ist wieder vier und auch ich bin wieder zehn Jahre alt, wir suchen gemeinsam mit Mama Kastanien. Ich spüre Mamas warme Stulpen, als ich ihre Hand nehme.
Das ist Licht ist warm, das Laub raschelt unter den kleinen Füßen meiner Schwester. Wir suchen bei unseren Lieblingsplätzen - auf dem Friedhof, bei den großen alten Bäumen.
Wir freuen uns über jede Kastanie - egal ob groß, klein, rund oder mit gerader glatter Seite. Wir lieben sie alle.

Gut gebettet, in einem Stoffbeutel, werden sie nach Hause gebracht. Die Wangen sind rot von der Kälte, die Hände glühen, als sie an der Heizung aufwärmen.
Mama kocht Tee, öffnet Kekse und zündet Kerzen an. Wir Kinder breiten die Kastanien auf dem Tisch aus und zeigen uns die Schönsten, die wir gefunden haben. Mama sucht in der Schublade nach dem passend "Werkzeug" und so tragen wir nach und nach Streichhölzer, einen kleinen Bohrer, Holzperlen und Kleber zusammen. Und dann fangen wir mit dem Basteln der Kastanienmännchen an. Manche Kastanien haben wir schon zur Seite gelegt - unsere Lieblinge - die, die besonders schön sind, werden nicht verbastelt. Sie bleiben neben uns liegen und werden auch am Abend neben uns Kindern, beim einschlafen liegen.
Mama wird ihre schönste Kastanie in ihre Jackentasche, als Handschmeichler, legen und sich jeden Morgen dran erfreuen.

Meist haben wir nicht viele Kastanienmännchen gemacht - zu schwer war es, dass sie das Gleichgewicht halten können und vorallem waren sie zu schön. So geschmeidig glatt, eine künstlerische Maserung, so leicht, so elegant und die wunderbare Farbe - als hätte man die Herbstsonne eingefangen.

Ganz unbearbeitet
- denn, diese Schönheit braucht nichts weiter -

Eure Alexa ❤
 

Sonntag, 4. Oktober 2015

Wir erkunden Stadtroda!

Gestern Nachmittag/Abend habe ich mich mit ein paar anderen ATS getroffen - genauer gesagt vier supernette Mädels aus der Schweiz. Es hat echt Spaß gemacht die anderen zu treffen und einfach zu quatschen. Abends haben wir dann bei einer in Stockholm Pizza gemacht und ja - was soll ich groß sagen? Ich meine Pizza ist immer gut?! Erst recht selbstgemacht, mit netten Leuten in einer super schicken riesigen Altbauwohnung mitten in Stockholm!


Der Moment, wenn du dein Haus findest!!!
Heute war es dann etwas ruhiger. Am Nachmittag haben wir angefangen DAS Puzzle zumachen. Ich habe meiner Familie nämlich als Gastgeschenk ein Puzzle mit einem Luftbild von meinem Ort geschenkt.
1000 Teile und viel Wald - das war unsere Aufgabe. Es macht unglaublich Spaß seine eigene Heimat zusammen zupuzzlen. Doch es ist verdammt schwer, alleine bis wir den äuseren Rahmen zusammen hatten, hat es schon ewig gedauert. Aber so eine Familienaktivität macht echt Spaß!
Wir lassen das Puzzle auf dem Tisch liegen und wollen einfach immer zwischen durch in der Woche weiter machen. Also ein Wochenprojekt! :)


Beim puzzlen mit meiner
Gastmama und meiner Gastschwester.
Achja, seid ihr interessiert daran, was ich meiner Gastfamilie für Gastgeschenke mit gebracht habe? Ich hatte damals schon in Deutschland einen Post dazu vorbereitet, doch irgendwie hat sich dann doch nicht ergeben den hochzuladen. So bitte schreibt in die Kommentare, ob ihr daran interessiert seid!!!

Eure puzzlende Alexa ❤

PS. Achja zu meinen letzten Posts, wo es um meinen schwedisch Kurs ging - mir geht es gut und klar man macht sich da halt mal so einen Gedanken, aber ich kann das schon normal einschätzen. Es ist nur so, dass es mir einfach Spaß macht mit vielen Gefühlen zu schreiben. :)


Freitag, 2. Oktober 2015

#5 Fotoreihe - Taco-Abend

Etwas typisch schwedisches (aber, auch allgemein skandinavisch) ist der Taco-Abend! Traditionell macht man diesen am Freitagabend. Wir machen den zwar nicht jeden Freitagabend, aber manchmal eben schon :) So wie letzte Woche!
Das eine Bild könnte euch schon bekannt vorkommen, das hatte ich ja schon auf Instagram gepostet.
Achja nicht das ihr euch wundert - traditionell ist Hackfleisch mit dabei, aber da wir eine vegetarisch/ vegane Familie sind gibt es bei uns Kichererbsen!



Und dann möchte ich euch das Bild vom Supermarkt nicht vorenthalten! Leider habe ich selbst im Querformat nicht das komplette Regal drauf bekommen, also es ist nach rechts und links noch ein-zwei Meter länger :)


Ganz liebe Grüße aus Schweden von mir!
Eure Alexa

Montag, 28. September 2015

Varför?

Ich sitze auf meinem Platz und möchte am liebsten im Boden versinken. Die Situation ist mir unangenehm - ich schäme mich, obwohl ich nichts falsch gemacht habe. Ich schaue ins Leere, traue mich nicht in die Gesichter meiner Mitschüler zu blicken. 

Dabei hatten wir vor einer Stunde noch so einen Spaß, saßen alle gemeinsam im Stuhlkreis und haben gemeinsam Kleidungsstücke und Farben geübt. Da war nichts unangenehm - ich höre in meinen Ohren noch das Lachen.

Jetzt höre ich nur, wie sie wild durch einander unsere Lehrerin "Varför?" fragen. Soeben hat sie ihnen erzählt, das ich hier nur für ein Jahr da bin und dann wieder zurück nach Deutschland gehe und währenddessen hier in einer Gastfamilie lebe. Eigentlich nicht schlimm - nichts neues. Doch anscheinend schon, sie hatten es vorher noch nicht wirklich mitbekommen. Ich hatte nie das Gefühl erklären zu müssen, was ich hier mache - wieso ich hier bin.

Ich schaue hoch - muss mich irgendwie der Realität stellen. Sie können nicht verstehen, wieso ich das hier mache. Sie fragen, wieso ich nicht in Deutschland weiter zur Schule gehe. Sie stellen nicht viele Fragen - dafür ist der Wortschatz zu begrenzt - doch ich kann die Fragen sehen, in ihren Gesichtern. 

Ich fühle mich irgendwie schlecht. Ich kenne ihre Geschichten nicht - darüber reden wir nicht - ich weis nur, aus welchem Land sie kommen und wann sie nach Schweden kamen. Alles andere ist mir unbekannt, aber ich kann mir denken, dass sie nicht hier sind, weil ihren Eltern ein Job in Schweden angeboten wurde...

Zum Glück machen wir weiter im Unterricht und die Stunde ist bald vorbei - vermutlich ist es längst keine Sache mehr - aber, ich fühle mich trotzdem unwohl. 

Als ich dann Stunden später aus dem Zug aussteige und die Unterführung entlang laufe, sehe ich das jemand einen Stand aufbaut. Ich schaue im vorbeigehen, um was es geht. Werbung für Paintball.
Ich schüttle unbewusst den Kopf - frage mich nur, in was für einer Welt wir eigentlich leben. 


Eure Alexa (heute mal wieder ein bisschen melodramatisch)


"Varför" kann man übersetzen mit warum, wieso, wozu oder weshalb. Und eigentlich fällt mir auf diese Frage selber keine Antwort ein - nicht heute, nicht jetzt.

Nochmal als kleiner Hinweis für neue Leser: es handelt sich hier um meine Schwedischklasse für Immigranten, auch nochmal genauer dazu in diesem Post.

Donnerstag, 24. September 2015

Teilen

Teilen - das Erste, woran ich bei dem Wort denke, ist ein Bild, wo Kinder Süßigkeiten teilen. Verrückt oder? Denn, teilen ist so viel mehr :)
Zeit miteinander teilen, Wissen, gemeinsame Interessen, Geschichten teilen, Sprachkenntnisse, Erfahrungen, Freude und auch Sorgen teilen.
Teilen macht uns glücklich und die Welt ein bisschen besser :)

Heute Nachmittag, als ich von der Schule Heim kam, ging es mir nicht besonders gut. Ich war mitten in einem dunklen tiefen Loch und alles war gerade blöd. Ich bin sauer auf mich selber, weil ich meine Erwartungen an mich selbst nicht erfülle. Ich habe noch keine wirklichen Freunde in der Schule gefunden und auch sprachlich läuft es nicht so rosig. Zudem habe ich meine Familie vermisst. Dann habe ich all meine Sorgen runtergeschrieben und mit unserer Facebook ATS-Gruppe geteilt - innerhalb weniger Minuten habe ich fest gestellt, dass ich nicht allein bin - und das hilft. Zu merken, dass man nicht die einzige ist, der es so geht. Auch andere haben noch keine Freunde und sitzten manchmal ne Stunde allein in der Bibliothek - und ja das ist okay. Auch das gehört dazu, denn Austauschschüler zu sein bedeutet eben so viel mehr.
Nachdem ich dann eben gemerkt habe, dass ich nicht allein bin, ging es mir wirklich deutlich besser. Danach bin ich gleich viel besser gelaunt, zum schwedisch Kurs beim Roten Kreuz gegangen. :)

Gestern waren wir mit der Schule in Vallentuna (ein Nachbarort) und haben uns dort einen Vortrag von zwei Astronautinnen angehört. Das war wirklich interessanter, als man denken könnte! Vorallem, weil wir eine relativ kleine Gruppe waren (150 Schüler vermutlich), dadurch fühlte man sich irgendwie besonderer und mehr live dabei :)
Zu Gast waren Jelena Serova und Stephanie Wilson die beiden waren sehr sympathisch. Besonders sympathisch fand ich das Jelena ebenfalls kein perfektes Englisch konnte, sie hatte einen starken Akzent und  hat oft hilfesuchend ihre "Kollegin" angeschaut. Das fand ich irgendwie "beruhigend", man muss nicht alles können - es ist okay, wenn dein Englisch nicht perfekt ist - du kannst trotzdem ins All fliegen. :)

Was ich eigentlich sagen will ist, es ist okay, wenn euer ATJ nicht so aussieht, wie in einem EF Video* - denn das zeigt nicht die Wahrheit. Es gibt immer Phasen, wo es einem schlecht geht und man eigentlich am liebsten zurück in sein altes Leben will, aber eigentlich will man nur wieder zurück zu einem einfachen Leben. Ein Leben mit weniger Problemen, denn Probleme gibt es in einem ATJ immer :)
Doch das ist okay, denn an diesen Herrausforderungen wächst man, sammelt Erfahrungen und wird stärker. Und das ist ja das eigentliche Ziel :)
Und (um nochmal auf den Anfang zurück zu kommen) teilt eure Gefühle mit anderen ATS - denn ganz ehrlich, es hilft zu hören, dass es denn anderen auch so geht :)

Und ich werde mir meinen eigenen Post zu Herzen nehmen, denn eigentlich ist es ja gut! Ich bin sehr glücklich mit meiner Gastfamilie und fühle mich super wohl und auch in der Schule - unfreundlich ist ja keiner - muss ich mich einfach nur bemühen den ersten Schritt zumachen.

Also Kopf hoch, wenn es gerade nicht so läuft :)
Eure Alexa ❤


*EF-Video ist ein Ausdruck für unrealistische ATJ-Videos von EF :D 
Nochmal ein paar Beispiele, weil es so Spaß macht sich über diese Perfektheit aufzuregen *hier* und *hier*.



Mittwoch, 23. September 2015

#4 Fotoreihe - Tallinn / Teil 2

Der versprochene zweite Teil :)


Flur zu unserer Kabine
 
- Altstadt Tallinn -

- Altstadt Tallinn -


Toom-Kooli 9 // Vanalinn

Aleksander Nevski Katedraal



Lühike Jalg - an einem der kleinen Läden
 
Pikk Jalg


Nocheinmal, weil es so schön war!
- Pikk Jalg -
 
Teletorn - TV Tower


Aussicht von 175m


Viru // Vanalinn


Eure Alexa :)