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Donnerstag, 16. März 2017

Was ist schon Zeit?

Zeit, was ist das schon?
Zeit, diese Größe die sich so schlecht definieren lässt. Zeit vergeht, immer gleich und doch fühlt es sich meist ganz anders an. Das war schon als kleines Kind so. "Noch fünf Minuten, dann gehen wir." wurde gesagt, wenn man bei der Freundin zum Spielen war - da saßen die Puppen noch gar nicht an ihrer Kaffeetafel, da waren die fünf Minuten auch schon vorbei. Abends hingegen, lag man noch ewig wach - gefühlt bis tief nach Mitternacht.

Zeit, was ist das schon?
Zeit vereint und trennt uns zu gleich.
Man sagt, "Zeit heilt alle Wunden" und doch wissen wir das dies nicht stimmt. Die Zeit kann keine Wunden heilen, Zeit ist erbarmungslos. So gefühlskalt und starr in ihrem Rhythmus. Zeit vergeht einfach, da kann man noch so flehen, sie möge nur für einen Moment stehen. "Zeit zerfließt, wie Sand in den Händen" - doch selbst denn kann man festhalten. Notfalls macht man ihn einfach nass - dann bleibt der Sand auf jeden Fall in den Händen. Bei Zeit geht das nicht. Die verschwindet einfach.

Ich war heute in meiner alten Schule. Alt - damit meine ich ehemalig, denn alt ist die Schule nun nicht mehr. Ich war der letzte Jahrgang in dem alten Gebäude, welches die typische Form trug einer jeden in der DDR gebauten Schule. Der Putz grau und alt, die Fenster quietschten beim Öffnen und doch konnte man sie nie ganz schließen, der Boden hatte Risse und an manchen Stellen sah man den darunter liegenden Beton, die Wände hatten Löcher, sodass der Putz herunter bröselte. Eine ganz normale deutsche herunter gekommene Schule eben. Geld ist im Land immer knapp und erst recht nicht für Schulen da.
Meine Schule hat es trotzdem geschafft, nach jahrelangem warten, gab es endlich die versprochene Sanierung (mit dieser Sanierung wurde schon geworben für die Schule, als ich in die fünfte Klasse kam). Erst ein Jahr Unterricht in einer anderen leerstehenden Schule, dann ein Jahr mit Containern und jetzt sind sie eingezogen ins komplett neue Schulgebäude. Alles sieht anders aus - hell, freundlich, modern, sauber und doch wirkt es ein bisschen unpersönlich. Die Wände sind in reinem weiß und einem sonnigen orange. Ich ging durch die Gänge und erinnerte ich an früher, damals als die Wände mit Gemalten der Schüler geschmückt war. Jede Klasse durfte ihren Klassenraum selber streichen und bemalen, auch die Gänge waren von Schüler mit dicker Farbe verschönert wurden. Diese bunten Gemälde waren keinerlei Meisterleistung, ganz im Gegenteil - eine Realschule ohne jegliche Ausrichtung für Kunst, doch sie strahlen so etwas vertrautes und persönliches aus. Etwas, was ich heute vermisste.

Doch nicht nur die Schule hat sich verändert, auch wir, die damals dort Schüler waren. Wenn man redet, ist es mehr der übliche oberflächliche Smalltalk. "Lang nicht mehr gesehen" "Wie geht's dir?" "Was machst du jetzt?" "Hast du noch Kontakt zu xy?" "Schönes Wetter heute, oder?"
Die Gemeinsamkeiten von damals fehlen heute, man hat sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt, da bleibt oftmals nicht viel, außer die Erinnerung an damals.
Nachdem ich an meiner alten Schule war, ging ich noch zu meiner Musikschule, wo ich lange Cello gespielt habe. Beim Aufmachen der Tür breitet sich ein gutes Gefühl von Beständigkeit in mir aus. Hier hatte sich nichts verändert. Der Warteraum hat sich in den letzten zwölf Jahren kein bisschen verändert. Eigentlich traurig. Doch in Zeiten der ständigen Veränderung und Schnelllebigkeit, tut es manchmal gut an Orte zurück zukehren, die sich nicht verändern.

Selbst dieses kindergemalte Bild
hing schon immer dort
In einem Lied heißt es "Nichts ist für immer, aber alles für jetzt." Das ist wohl wahr.

Eure Alexa

Dienstag, 20. September 2016

Fragen und Antworten nach dem Austausch

Beliebt bei neuen Austauschschülern sind immer die so genannten Austauschschüler TAGs - also Fragen, die man beantwortet und dann an andere weiterleiten kann, die dann ebenfalls diese Fragen beantworten. Ich hatte das damals auch mit gemacht (siehe hier).
Doch Caro und ich dachten uns, wieso eigentlich nur davor? Komm lass uns einen machen für uns zurück Gekommene!

1.  Wie hast du alles von deiner Gastfamilie nach Hause bekommen?
Wirklich nicht ganz leicht seinen ganzen Hausrat zusammen zupacken und irgendwie die hunderte Kilometer zu transportieren. Doch ich muss sagen, ich hatte einen Vorteil - meine wunderbare Gastfamilie! 
Da meine Gastfamilie ihren eigenen Sohn in Berlin beim YES abgeholt hat, konnten sie meine Kisten voll mit Klamotten und Kram im Auto mit nach Deutschland bringen. Da meine Eltern mich ebenfalls abgeholt haben, konnte es so von einem Auto ins andere übergeben werde. Glück gehabt!

2. Wurden deine Erwartungen an dein Austauschjahr erfüllt?
Meine Erwartungen - schwierig. Ich habe immer versucht keine Erwartungen zu haben, keine Ansprüche, Wünsche. Doch wenn man sich über ein Jahr lang vorbereitet und darauf hinfiebert hat man natürlich Träume.
Doch ich glaube, im Großen und Ganzen bin ich wirklich seeehr zufrieden mit dem, wie alles so gekommen ist. Man sollte immer probieren nicht zu vergessen, dass es zu nicht nur wie ein EF-Video* sein wird.

3. Wo merkst du selber, dass du dich weiterentwickelt hast und mit dem Jahr gewachsen bist?
Ich habe vorallem auch gelernt manchmal einfach still zu sein. Bei Diskussionen nicht immer noch meinen Senf dazu geben zu müssen. Ich rege mich nicht mehr über Kleinigkeiten auf - spare meine Energie. 
Zudem merke ich, wie mein Selbstbewusstsein gestärkt wurde in dem Jahr. Ich weiß, dass ich mich, auf das was ich kann, verlassen kann.
Doch Schweden und meine Gastfamilie hat mir viel gelernt - das neue Verständnis für Gleichberechtigung und Feminismus zum Beispiel.

4. Was hättest du gerne noch erlebt oder gesehen? 
Gibt es etwas, was du nicht mehr erledigen konntest vor deinem Abflug?
Ja, ich habe etwas vergessen. Mein Gastpappa hat fast wöchentlich gefragt, ob ich mir die Aussicht vom Stockholmer Rathaus bereits angesehen hätte. Das habe ich tatsächlich immer wieder vergessen oder verlegt - naja beim nächsten Stockholm-Besuch!
Und, da ist noch etwas, was ich gerne erlebt hätte - die Blaubeerzeit. Viele Austauschschüler sind mit ihren Gastfamilien richtig in die Blaubeeren gegangen und habe die körbeweise gepflückt für Marmelade z.B.. Die Zeit war jedoch gleich am Anfang des Jahres, wo bei uns schon andere Ausflüge geplant waren, die ebenfalls sehr schön waren und die ich nicht missen möchte.

5. Welches Gericht nimmst du aus deiner Gastfamilie bzw. deinem Gastland mit nach Hause?
Oh da gibt es viele! Meine Gastfamilie hat so gut gekocht! Leider, fehlt mir hier in Deutschland oft die Lust zum Kochen - die ich in Schweden hatte. Doch ja, unsere indischen-Eintöpfe waren klasse oder Ellens Risotto oder frische Frühlingsrollen oder noch ofenwarme Kanelbullar oder dieser leckerer Salat mit schwarzen Bohnen und warmen Kichererbsen und Möhren aus dem Ofen! Oder Sushi habe ich auch erst in Schweden probiert und lieben gelernt!

6. Oft gefragt, doch war es im Nachhinein das richtige Land für dich und wieso?
Ja. Ich denke schon. Ich meine, ich habe nur die Erfahrung mit Schweden. Doch ich bin sehr zufrieden und finde, das Land passt einfach gut zu mir. Diese eher verschlossene Art, das Naturverbundene und die Liebe zu leckerem Gebäck und fika-Pausen!

7. Welchen Ratschlag würdest du deinem ein-Jahr jüngerem Ich mit auf den Weg geben?
Denk weniger nach! Wirklich! Mach einfach - sag JA! Ein bisschen mehr Mut und Spontanität :)

8. Was bereust du?
Nicht mehr aus meiner Zeit gemacht zu haben. Evtl. nicht oft genug die Initiative ergriffen zu haben um neue Freunde nach einer Verabredung am Wochenende zu fragen.
Ebenfalls bereue ich das Verhältnis zu meiner Gastschwester - ich hätte sie gerne als Freundin gewonnen, doch irgendwie ist es uns beiden schwer gefallen auf einander zu zugehen. Doch eigentlich mag ich sie sehr gerne und merke manchmal das ich sie vermisse.

9. Wie geht es jetzt weiter für dich?
Wie es weiter geht? Schule - die nächsten drei Jahre. Noch bereue ich dies nicht :D 
Neben der Schule wird natürlich YFU mit der Vereinsarbeit immer wichtiger werden. Am Wochenende bin ich z.B. zum ersten Mal mit auf einer AustauschMesse und darf YFU mit vertreten und vorstellen.

Das waren unsere neun Fragen - jeder der möchte, kann sehr gerne diese Fragen ebenfalls auf seinem Blog beantworten! In Kürze wird auch Caro ihre Antworten auf ihrem Blog veröffentlichen! Ich freue mich drauf eure Antworten zu lesen!

Eure Alexa ❤

*EF-Jahr ist ein Ausdruck für unrealistische ATJ-Videos von EF :D
Nochmal ein paar Beispiele, weil es so Spaß macht sich über diese Perfektheit aufzuregen *hier* und *hier*.

Samstag, 20. Februar 2016

Schnell Durchgang!

Irgendwie ist die Luft raus - ich weis auch nicht, aber alles erscheint mir so normal und uninteressant. Gleichzeitig vergeht die Zeit einfach so schnell... 
Werde einfach ein paar Schnappschüsse von meinem Handy hochladen und euch kurz dazu berichten!

Frühstück!
Eins meiner Frühstücke - ohne Frühstück kann kein Tag für mich beginnen! Kaffe ist trotz langem Schwedenaufenthalt noch immer nicht mein Freund, ich bleibe wohl vorerst ein Teeliebhaber. Zudem hatte ich da gerade selber Brot gebacken (ja, okay es war ne Fertigmehlmischung...) hat trotzdem gut geschmeckt und war eine schöne Abwechslung zum süßen Schwedischen Brot. Meist esse ich auch irgendwie noch Haferjoghurt mit ein paar Früchten und so :)

In unserer Schule haben wir die Aktion, dass wir uns bewusst werden sollen, wie viel Essen wir täglich wegwerfen. Deswegen wird jeden Tag all Essensabfall gewogen und aufgeschrieben. Es ist einfach erschreckend!! Als Schule werfen wir jährlich mehere Tonnen Essen weg!! Doch ist halt nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Dreck." pro Person reichen 40-70g Essensreste pro Tag für diese riesige Summe! 
Auf dem Plakat ist Woche sechs zu sehen - am Donnerstag gabs Pfannkuchen, deswegen hatten wir "nur" 70kg Abfall und an dem Freitag war Wintersporttag und nur 600 Personen haben im Speisesaal gegessen. Trotzdem sind wir in EINER Woche auf 463kg Essenabfälle!

Ein random Bild von Stockholm, als ich mal wieder unterwegs war und nach Geburtstagsgeschenken auf der Suche war! 

Eigentlich wollte ich euch ausführlicher darum berichten, doch hat mal wieder nicht geklappt... Hier in Schweden feiert man Semmeldagen oder auch Fettisdagen genannt. Semla ist einfach ein Hefegebäck mit Mandelmasse und Schlagsahne und Kardamomgeschmack. 

Das Bild ist schon wieder vor einiger Zeit entstanden, als wir im Theater waren! Zu Ronja Räubertochter, auch da habe ich gehofft das ich euch mehr erzählen könnte, doch auch hier habe ich es einfach vergessen, darüber zu schreiben... War auf jeden Fall sehr schön und komplett modern und neu gemacht. In der Pause kamen dann einzelne Schauspieler und man konnte Fotos mit ihnen machen - musste natürlich sein! Man ist ja nur einmal im Leben Austauschschülerin! 





Semlor!


So viel Abfall beim Mittag!

Stockholm mit leichter Dämmerung

Zu Ronja Räubertochter im Theater!
Ja das wars auch schon wieder von mir! Ich werde mich gleich auf den Weg machen nach Uppsala um dort den Nachmittag/Abend zu verbringen und mit anderen Austauschschülern bowlen gehen!

Eure Alexa ❤

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Kastanien


Baum der Erinnerung
Ich laufe von der Schwimmhalle heim, laufe durch den Park und plötzlich sehe ich ihn - einen Kastanienbaum. Innerhalb von Sekunden werde ich zum Kind. Lauf auf den Baum zu und bemerke schon beim Laufen das dort etliche Kastanien zu finden sind. Ich hocke im Gras und sammle Kastanien und bin dabei genauso glücklich, wie damals als Kind.

Leider muss ich weiter - es wird langsam kalt, so ohne Bewegung. Zudem habe ich keinen Platz für all die Kastanien - ich komme vom Schwimmen, meine Tasche ist voll mit Handtuch und nassen Badesachen.

Also gehe ich weiter, langsam - schaue nochmal über meine Schulter und lächle den Baum an.
Auf dem restlichen Weg schwelge ich in Erinnerungen...

Meine Schwester ist wieder vier und auch ich bin wieder zehn Jahre alt, wir suchen gemeinsam mit Mama Kastanien. Ich spüre Mamas warme Stulpen, als ich ihre Hand nehme.
Das ist Licht ist warm, das Laub raschelt unter den kleinen Füßen meiner Schwester. Wir suchen bei unseren Lieblingsplätzen - auf dem Friedhof, bei den großen alten Bäumen.
Wir freuen uns über jede Kastanie - egal ob groß, klein, rund oder mit gerader glatter Seite. Wir lieben sie alle.

Gut gebettet, in einem Stoffbeutel, werden sie nach Hause gebracht. Die Wangen sind rot von der Kälte, die Hände glühen, als sie an der Heizung aufwärmen.
Mama kocht Tee, öffnet Kekse und zündet Kerzen an. Wir Kinder breiten die Kastanien auf dem Tisch aus und zeigen uns die Schönsten, die wir gefunden haben. Mama sucht in der Schublade nach dem passend "Werkzeug" und so tragen wir nach und nach Streichhölzer, einen kleinen Bohrer, Holzperlen und Kleber zusammen. Und dann fangen wir mit dem Basteln der Kastanienmännchen an. Manche Kastanien haben wir schon zur Seite gelegt - unsere Lieblinge - die, die besonders schön sind, werden nicht verbastelt. Sie bleiben neben uns liegen und werden auch am Abend neben uns Kindern, beim einschlafen liegen.
Mama wird ihre schönste Kastanie in ihre Jackentasche, als Handschmeichler, legen und sich jeden Morgen dran erfreuen.

Meist haben wir nicht viele Kastanienmännchen gemacht - zu schwer war es, dass sie das Gleichgewicht halten können und vorallem waren sie zu schön. So geschmeidig glatt, eine künstlerische Maserung, so leicht, so elegant und die wunderbare Farbe - als hätte man die Herbstsonne eingefangen.

Ganz unbearbeitet
- denn, diese Schönheit braucht nichts weiter -

Eure Alexa ❤